Internationale Forschung

Beitrag zur Europäischen Kultur

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Die Geistes– und Kunstgeschichte wie auch die politische Geschichte Europas wären ohne die Bibel nicht das, was sie geworden sind. Die Bibel gehört zu den Juden, zu den Christen im Osten und im Westen, zu den Humanisten in ihrer Entdeckung der Quellen des Altertums, zu den Philosophen und den Dichtern und Musikern. Die Bibel hat Literatur, Kunst und Denken bis heute inspiriert.

 

Daher ist die Erforschung der Bibel ein wichtiger Beitrag zu einer vertieften Kenntnis der Wurzeln, aus denen das Europa auch des 21. Jahrhunderts lebt.

 

Das religiöse und kulturelle Problem der Fundamentalismen hat desgleichen einen Bezug zur biblischen Textgeschichte. Diese zeigt, dass die Bibel in ihrer langen Geschichte gleichzeitig in mehreren Gestalten existiert hat. Unsere modernen Bibelübersetzungen wurden aus dem Hebräischen übertragen. Aber in den Kirchen des Ostens entspricht die Bibel der alten griechischen Bibel. Die Bibel ist demgemäss kein unisono-Gesang, sondern eine Polyphonie.

Beitrag zur Internationalen Forschung

Biblia Hebraica Quinta (BHQ)

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Dieses Editionsvorhaben ist international und ökumenisch (Beteiligung von Katholiken, Protestanten und Juden). Sie entsteht unter dem Patronat des Weltbundes der Bibelgesellschaften. Das Vorhaben wird von der Deutschen Biblegesellschaft getragen. Diese Bibel ist für den allgemeinen Gebrauch der Exegeten und Bibelübersetzer bestimmt. Die Ausgabe enthält erstens die diplomatische Wiedergabe einer Bibelhandschrift, nämlich Handschrift Russische Nationalbibliothek St. Petersburg Hebr B 19A, die bis heute Leningradensis heisst, sodann einen kritischen Lesartenapparat, wo die wichtigen Abweichungen zwischen dem hebräischen, griechischen, lateinischen, aramäischen, syrischen Bibeltext verzeichnet sind, ferner einen Kommentar zu den hauptsächlichen Varianten.

Von dieser Ausgabe sind folgende Faszikel erschienen: das Deuteronomium, die Proverbien, die fünf Rollen (Megilloth), Ezra-Nehamia. Nächstens erscheint das Buch der Zwölf kleinen Propheten.

Freiburg hat einen wichtigen Platz in dieser Edition inne, weil zwei Mitglieder der Herausgeberkommission hier tätig sind: Adrian Schenker (Vorsitz), Herausgeber der Königsbücher, und Yohanan Goldman, Herausgeber von Qohelet, während Innocent Himbaza das Buch Leviticus (3. Mose) herausgibt.

II Regnorum (II Samuelis) der Göttinger Septuaginta

Die kritische Ausgabe der Septuaginta, der griechischen Bibel ist ein internationales und ökumenisches Vorhaben des Septuaginta-Unternehmens unter dem Patronat der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Es geht bei dieser Ausgabe um die Herstellung des ältesten erreichbaren Textes der Septuaginta mit einem kritischen Apparat, der abweichende Lesarten aus etwa 60 bis 100 Handschriften verzeichnet. Dazu kommen Zitate aus den antiken Übersetzungen der griechischen Bibel ins Armenische, Koptische, Aethiopische, Lateinische, Syrische und griechische und lateinische Väterzitate.

In Freiburg ist Philippe Hugo mit der Ausgabe des 2. Buches der Königtümer (2 Samuel) betraut.

Bible d’Alexandrie, 3. Buch der Königtümer

Diese Ausgabe gehört zur Übertragung der griechischen Bibel ins Französische, die in Paris verwirklicht wird. Dieses Vorhaben geht auf Anregungen von Dominique Barthélemy zurück und wurde von Marguerite Harl, emeritierte Professorin der Universität Paris-IV Sorbonne, Gilles Dorival, Professor an der Universität Aix-en-Provence, Olivier Munnich, Professor an der Universität Paris-IV Sorbonne, in Angriff genommen. Die Ausgabe erscheint in den Editions du Cerf, Paris. Bisher liegen 17 Bände vor. Dieses Unternehmen ist gegenwärtig eines der grössten biblischen Projekte im französischen Sprachraum. Die Übertragung der Septuaginta in eine moderne Sprache erlaubt es, Eigenart und Wirkungsgeschichte dieser Bibel besser zu verstehen, deren Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte so nachhaltig war.


In Freiburg ist Prof. Philippe Lefebvre mit der Einführung, Übersetzung und Anmerkungen des 3. Buches der Königtümer (1 Könige) beauftragt.

La Bible en ses traditions

Dieses Vorhaben mit Sitz an der Ecole biblique et archéologique française in Jerusalem will die Bibel vermitteln, wie sie sich im Lauf der Überlieferungsgeschichte in verschiedene Formen verzweigt hat. Sie ist für das allgemeine Publikum bestimmt. Dieses soll sehen, dass die Bibel immer einem kulturellen und gemeinschaftlichen jüdischen und christlichen Milieu angehört. So gesehen gibt es eine hebräische, griechische, lateinische und syrische Bibel. Dieses Umfeld hat die spezifische Form der Bibel geprägt. Aus ihm wuchsen besondere Interpretationen heraus. Dergestalt gibt es nicht einen einzigen Text und nur selten eine einzige Bedeutung von biblischen Stellen. Die Wirkung mancher Bibelstellen in jüdischer und christlicher Auffassung soll dargeboten werden. Ein ganzer Fächer von Anmerkungen soll in dieser Bibelausgabe Text, Bedeutung, literarische Form, erzählende Strategie und Erklärungsbedürftiges erläutern.


In Freiburg ist Prof. Philippe Lefebvre mit den Büchern 1-2 Samuel betraut.